Free Oz And Street Art Guerrilla Worldwide
Pussy Riots are everywhere

Weltweit gibt es in diesen Tagen Proteste gegen die Inhaftierung der Band Pussy Riot. Mit bunten Strickmasken, Kunstguerilla-Aktionen, einem Punk-Gebet, dem darauf folgenden Prozess und der Verurteilung zu zwei Jahren Haft haben sie weltweites Aufsehen erregt. Der Spiegel titelte -„Putins Russland auf dem Weg in die lupenreine Diktatur“- mit einem Bild der Musikerin Nadeschda Tolokonnikowa und ein deutscher Außenminister richtet besorgte Worte nach Moskau. Doch Repression und lange Haftstrafen gegen Künstler_innen gibt es nicht nur in Russland.

In Hamburg beginnt am Dienstag, den 28. August vor dem Amtsgericht St. Georg ein erneuter Mammutprozess gegen den Street Art-Künstler Oz mit verschiedenen Anklagepunkten, die das Bemalen von Wänden oder Ritzen in Scheiben betreffen.

Von Smileys zu Strickmasken und zurück

Die von Oz an Hamburger Häuserwände gesprühten Smileys sind ein Symbol der Strafverfolgung durch die Justiz geworden wie die Strickmützen von Pussy Riot. Doch der Fall besitzt nicht nur wegen der Smileys, die an das Erscheinungsbild von Pussy Riot erinnern, Analogien. Den grellen Formen der knallbunten runden Strickmützen und Smileys geht es darum aufzufallen, aus einer als grau und trist empfundenen Realität auszubrechen und ihr subversive Kreativität entgegenzusetzen. Öffentliche Räume werden dabei mittels Installationen oder Performanceeinlagen decodiert und in neue Sinnzusammenhänge übersetzt.
Eben diese Handlung fordert letztlich den Staatsapparat heraus. Nicht nur in Moskau oder Hamburg sondern weltweit sollen bestehende Normen durch das Mittel der Strafe aufrechterhalten werden.

Die Kunst und das Verbrechen

Madonna beschrieb in einem Moskauer Interview ihre Wahrnehmung von Pussy Riot als eine Überschneidung von Kunst und Politik, die auch für sie ein wichtiger Teil ihrer Biographie in ihren New Yorker Jahren war. Diese Zeit war geprägt von Personen wie Andy Warhol oder Keith Hearing. Letzterer wurde bekannt durch illegale Graffitis, die er in New Yorker U-Bahn Schächten anbrachte. Kunst ist immer auch verbunden mit einem Blick nach vorne und gesellschaftlichem Tabubruch. Doch eben jene gesellschaftlichen Tabus finden sich im Bestehenden wieder in Form von menschengeschaffenen Gesetzen, die soziale Normen und Beschränkungen der Gegenwart widerspiegeln. Kunst befindet sich damit immer auch im Widerspruch mit der Legalität und dem Erlaubten.

Gesellschaftliche Normen wandeln sich durch solche Interventionen. Wo heute in Museen auf Stühle geschissen und in Theatern Sex auf der Bühne dargestellt wird, wäre noch vor Jahren die Staatsmacht in Aktion getreten. Gesellschaftliche Zustände verändern sich permanent. Es gibt keine natürliche lineare Entwicklung zum Besseren oder Schlechteren, einer freieren oder unfreieren Welt. Zwänge und Ungerechtigkeiten in unseren Lebenswelten nehmen zu und wieder ab. Auf den Kolonialismus folgte die neoliberale Globalisierung, dem sogenannten Sozialstaat in den Siebziger Jahren folgte Hartz IV und auch in der Eurokrise werden uns neue gesellschaftliche Widersprüche und Umbrüche begegnen.

Die Wirkung von Kunst, Musik, Zeichen und Symbolen wurde im Text „Ein Gespenst geht um in den Städten!“ dabei so beschrieben: »Das „Gespenst“ ist für den französischen Philosophen Jacques Derrida das Einsickern eines toten Zeichens in einen lebendigen Diskurs. In „Marx Gespenster“ ist es die Idee der Gerechtigkeit. Es gibt Menschen, die Marx vergessen lassen wollen, aber seine Gespenster werden sie nicht los. Sie „transformieren“ sich, niemand kann sagen, wann und wo sie auftauchen, doch sie kommen immer wieder. Auch die Symbolwelten von Oz trotzen der repressiven Wirklichkeit und vervielfältigen sich. Sie beschwören Unsicherheit in den Augen von Ordnungsfanatiker_innen und eine Kulisse des Begehrens für andere.«

Mit Pussy Riot ist neuer Spuk hinzugekommen und es wird nicht die letzte Geisterstunde sein, die Künstler_innen und Street Art-Aktivist_innen den Autoritäten und Institutionen bereiten. Es ist wichtig, die Realität und das Leben nicht durch Sicherheitsbedürfnisse aus dem Sinn und damit dem Bewusstsein zu verdrängen. Kunst ist dabei ein wichtiger Kommunikationsraum und Spiegel der Verhältnisse. Kunst ist nicht unschuldig und entschuldigt nichts. Aber es ist wichtig, jene zu verteidigen, die der Kunst schuldig sind und für Tabubrüche mit Strafen und Gesetzen verfolgt werden.

Der Mammutprozess gegen Oz

Wenn das neue, über drei Monate angesetzte Verfahren gegen den bekanntesten Graffiti-Künstler Hamburgs beginnt, ist für uns so eine Situation. Bereits acht Jahre seines Lebens saß Oz im Gefängnis. Nun droht ihm eine weitere Haftstrafe für seine künstlerische Tätigkeit. Oz wird dabei nicht als einzelner verfolgt, sondern stellvertretend für Graffiti und Street Art-Aktivismus als kriminalisierte Form urbaner Kunst.

Die konkreten Vorwürfe erscheinen dabei im Verhältnis zur Größe der zusammengetragenen Aktenbergen eher kleinlich. Im jetzigen Verfahren geht es dabei um das angebliche Bemalen von Stromverteilerkästen, Licht- und Laternenmasten. Außerdem wird Oz vorgeworfen, Hauswände sowie eine Imbissbude mit Farbe und Buchstaben-Kürzeln besprüht zu haben, ein altes verwittertes Viadukt mit Zeichen und Smileys bemalt zu haben und in mehrere Glasscheiben eines Supermarktes geritzt zu haben. Kriminalisiert wird Oz dabei ganz offensichtlich nicht für diese Taten – sie alleine rechtfertigen kaum den Aufwand für Staatsanwaltschaft und Polizei – sondern für sein Gesamtwerk.

Dass in der Vergangenheit bis zu 12 BFE-Beamte den Künstler observiert haben, während die faschistische NSU ungestört ihre Morde ausüben konnte, wirft ein bezeichnendes Licht auf den juristischen Irrsinn und das absurde Strafbedürfnis dieses Prozesses. Fast wie ein Treppenwitz erscheint da der Vorwurf, Oz habe Polizeibeamte, die ihn unter Anwendung von Gewalt festnahmen, als „Nazis“ und „Unterstützer der Thüringer Terrortruppe“ beschimpft. Inwiefern eine solche Äußerung nach den ganzen Rücktritten und Absetzungen der Führungskräfte von Polizei und Verfassungsschutz als Beleidigung gewertet werden kann, erscheint diskutierbar. Dass Akten und Beweismittel vernichtet wurden und die faschistische NSU offenbar Kontakt zum Verfassungsschutz hatte, ist in jeder Zeitung nachzulesen. Ob diese Behörden direkt an den Morden beteiligt waren, ist ungeklärt. Doch statt das eigene politische System ernsthaft in Frage zu stellen, wendet sich die Politik dankbar mit Schrecken nach Russland.

Die Heuchelei der Macht

Die Politik fordert Menschenrechte in Russland ein, während gleichzeitig der Einsatz der Bundeswehr im Inneren legitimiert wird – nachdem bereits 2007 Militärjets gegen Globalisierungskritiker während des G8-Treffens in Heiligendamm eingesetzt wurden. Demonstrationen in Hamburg verlaufen unsichtbar für die Öffentlichkeit mit mehreren Reihen Polizeispalier und werden gewaltsam aufgelöst. Antifaschistische Kundgebungen werden stundenlang eingekesselt und Demonstrant_innen im Polizeigewahrsam gezwungen, in Plastiktüten zu pinkeln. Street Art-Künstler Oz wird viele Jahre seines Lebens inhaftiert und mit Polizeieinheiten aus dem Arsenal der Aufstandsbekämpfung verfolgt, während gleichzeitig rassistische Ermittlungen gegenüber den Opfern und Angehörigen im Rahmen faschistischer Mordserien betrieben werden. Illegalisierte Flüchtlinge werden abgeschoben, Oury Jalloh verbrennt gefesselt in seiner Zelle und Achidi-John stirbt beim gewaltsamen Einsatz von Brechmitteln. Die rechtliche Situation ist auch für viele Menschen hierzulande von staatlicher Gewalt und Willkür geprägt, die solidarischen Protest und Widerspruch erfordert.

Wir bewundern den Einsatz von kritischen Menschen in Russland vor dem Hintergrund der schwierigen Bedingungen dort. Wir schicken Putin ein „Fuck You!“ und singen Punkgebete für die Freiheit von Pussy Riot und allen anderen, die dem korrupten russischen System aus Macht und Geld ihren Widerspruch, ihre Kunst und Kreativität entgegensetzen. Aber wir verachten die Heuchelei der deutschen Politik, welche von Recht und Freiheit spricht und gleichzeitig ein eigenes repressives System der Angst aufrechterhält, das sich gegen jene richtet, die widersprechen, die stören und sich nicht in das verlogene Gesamtbild eines harmonischen Heimatfilmes integrieren lassen wollen.

Wir sehen nicht die Verhältnismäßigkeit, wenn ein Mensch für das Hinterlassen von Zeichen an Wänden und Scheiben 8 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbringen musste und wir empfinden es als absurde Monströsität, wenn nun ein neuer Prozess gegen Oz geführt wird, der auf Betreiben der Staatsanwaltschaft offenbar auf eine langjährige Haftstrafe abzielt. Wir sind solidarisch mit Pussy Riot, nicht weil die Verhältnisse in Russland fraglos andere sind, sondern weil uns Repression gegen Menschen, die gegen das Bild der Norm verstoßen, überall auf der Welt in unterschiedlichen Formen begegnet. Und wir kämpfen auch für ihre Rechte, indem wir Ungerechtigkeiten hier etwas entgegensetzen und die Einstellung des Verfahrens gegen Oz fordern.

Wir fordern dabei das Recht auf städtische Räume für alle. Für jene, die an Wände malen, für alle, die die Heiligkeit und Friedhofsruhe von Kirchen stören, oder für jene, die in die Lichtinstallation während der internationalen Cruise-Days am Hamburger Hafen ein wunderschön leuchtendes „Fuck U!“ in die neonblaue Komposition der Marke Hamburg zauberten.

Free Oz – Free Pussy Riot – Free Street Art Guerrilla Worldwide

Prozessbeginn gegen Oz ist am 28. August 2012 um 09:00 Uhr in Raum 0.09 im Amtsgericht St. Georg.
Fortgesetzt wird der Prozess am Dienstag den 04.09.2012 , am Donnerstag den 06.09.2012. und anschließend jeden Dienstag und Donnerstag bis zum 29.11.2012 (!), jeweils von 09:00 bis 10:00 Uhr. Punkgebete und solidarische Besucher_innen sind herzlich willkommen.

AG Repression und Solidarität

Fotos von http://www.facebook.com/pages/OZ-Hamburg/

Ein Gespenst geht um in den Städten!

FREE OZ’ ART AND ACTIVISM

Am 3. Februar 2011 beginnt ein Verfahren gegen Hamburgs bekanntesten Graffiti-Künstler. Bereits acht Jahre seines Lebens saß Oz im Gefängnis. Nun droht ihm eine weitere, im schlimmsten Fall mehrjährige Haftstrafe für seine künstlerische Tätigkeit. Oz wird dabei nicht nur als einzelner Streetart-Aktivist, sondern stellvertretend für Graffiti als kriminalisierte Form urbaner Kunst verfolgt. Die aktuellen Vorwürfe sind meist banal. Vielfach geht es um „Straftaten“ wie die Verschönerung der Rückseite von Verkehrsschildern oder das Anbringen von Aufklebern an Automaten. Kriminalisiert wird Oz ganz offensichtlich nicht für diese Taten, sie erscheinen einfach zu unaufdringlich, sondern für sein Gesamtwerk.

Gemessen am Bekanntheitsgrad dürfte Oz einer der erfolgreichsten Grafiker und Maler aus Hamburg sein. In ganz Europa kennt man seine Smileys und sein Logo, welches in Hamburg allgegenwärtig erscheint. Wo andere Künstler_innen umworben und vereinnahmt werden, die Stadt versucht, deren kreativen Ruhm für den Standort und die Marke Hamburg zu vermarkten, wird im Fall von Oz mit beispielloser Repression reagiert. Der Grund ist einfacher Natur: der Hauptteil seiner Arbeiten entzieht sich einer ökonomischen Verwertung.

In Boulevard-Medien wurde er in den vergangenen Jahren mit dicken Schlagzeilen als „Außenstehender“ und „Bedrohung der Gesellschaft“ diffamiert. Seine Arbeiten werden aus diesem Blickwinkel nicht als Bereicherung für die Menschen dargestellt, sondern als diffuse Gefahr für die Allgemeinheit heraufbeschworen. Das Urbane wird in dieser Deutung jenseits eines historischen Begriffes der Freiheit von Stadtluft zu einer sehr deutschen Form von Schicksalsgemeinschaft, der es sich unterzuordnen gilt. Menschen, die auf ihre Autonomie beharren oder einfach sperrig sind, werden dabei als zu bekämpfende Abweichung betrachtet.
Einerseits offenbart sich darin eine uralte, tiefsitzende bürgerliche Verachtung gegenüber anderen Lebensentwürfen, andererseits fehlen die Voraussetzungen, die Bedeutung kultureller Ausdrucksformen zu verstehen, die sich ökonomischer Sinnhaftigkeit scheinbar verweigern. Doch da die Gesetzmäßigkeiten des Kunstmarktes sich auch in jene Bereiche erstrecken, die versuchen sich ihm entziehen, ist ein Teil der Arbeit von Oz inzwischen durchaus auch in Ausstellungen und Galerien gelandet. Er steht damit in der Tradition von umstrittenen Künstlern wie Gérard Zlotykamien oder Harald Naegelie,

Dass „vergnüglicher Vandalismus“ Kunst darstellen kann, wittert sogar das Flaggschiff hanseatischer Lesekultur, die Zeit. Wird dort doch ein anderer Street-Art Aktivist regelrecht gefeiert: „Mit Banksy wurde der urbane Vandalismus unterhaltsam, wie kein anderer versteht er sich darauf, die ödesten Städte in lustvolle Ausstellungsräume zu verwandeln.“ Analogien sind ein gefährliches Pflaster und obwohl Smileys auf Stopschildern der Ironie von Bansky durchaus entsprechen, soll es nicht darum gehen, die Arbeiten beider zu vergleichen. Doch wer mag, stelle sich vor, Bansky hätte nicht im hippen London, sondern im schillernden Hamburg gelebt. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hätte ihn durch 12 MEK Beamte observieren lassen, vor Gericht erfolglos nach Möglichkeiten gesucht, ihm als „notorischen Sachbeschädiger“ die Schuldfähigkeit abzusprechen und ihn damit als Triebtäter zu klassifizieren und mit Sicherheitsverwahrung zu bedrohen. In den Medien wäre sein Urteil hämisch mit „Graffitis nur noch im Knast“ begrüßt worden und er hätte große Teile seines Lebens in Haft verbracht.

Wir fragen uns, wo liegt das Verbrechen beim Zeichnen eines Smileys auf einen Stromkasten oder eine leere Wand? Wie lässt sich verstehen oder erklären, dass ein Mensch deshalb eine in der Summe mehrjährige Haftstrafe erhält, welche von der Dauer einer juristischen Schwere von Taten wie Mord oder Totschlag gleichkommt? Eine Gesellschaft, die dies bejaht oder zulässt, bewegt sich nicht nur jenseits rechtlicher Minimalstandards, sondern ist in jeder Hinsicht autoritär und inhuman, Sie begegnet der elementarsten aller Freiheiten mit einem der schwersten aller Mittel: Dem Recht auf Sichtbarkeit, Sprache und Selbstdeutung der eigenen Existenz mit langjährigem Freiheitsentzug und dem Gebot des Schweigens.

Der juristische Exorzismus, mit dem die Zeichen Oz ausgetrieben werden sollen, geht einher mit einem zunehmend repressiveren Begriff von Stadt und öffentlichem Raum. Kameraüberwachung, staatliche und privatisierte Kontrolle, Sauberkeit und Ordnung als Messpunkte subjektiver Sicherheit durchdringen den öffentlichen Raum. Parolen, Bilder, Plakate, Demonstrationen oder Straßentheater sind Bestandteile des öffentlichen Lebens.

Das meiste davon wird in den Innenstädten mittlerweile verboten, um einen reibungslosen Konsum zu perfektionieren. Im bürgerlichen Verständnis von Freiheit soll ökonomisch-rational gehandelt werden und Selbstverwirklichung erfolgt durch Arbeit und Warenkonsum. In den surrealen Botschaften von Oz liegt eine subtile Widerstandshandlung gegen Zwänge die mit solchen Normen verbunden sind. Sie sprechen eine verborgene Verweigerungshaltung an, eine innere Abwehr gegen die Aufgabe nonkonformer Individualität durch Selbsteinordnung in städtische Ordnungs- und Kontrollräume. Sie verweigern sich dem Diktat einer Funktionalität und Verwertung im Kapitalimus.

Menschen wie Oz gehören nicht in den Knast, sondern zum Leben in der Stadt. Sie sind wichtig, weil sie sich zeigen und einem Gewaltverhältnis, das uns in Form von nackten Wänden und schreiender Werbewirklichkeit umgibt, nachdenkliche Muster und Formen verleihen. Oz verleiht der Architektur der Stadt dabei eine Würde, die von Goldgräberstimmung und Investorenlandschaften, wachsender Stadt und Sicherheitsbedürfnissen längst vergessen und verdrängt wurde. Er gibt dem Bedürfnis nach Leben eine Sprache, die von den Mauern wiederhallt, kopiert wird und sich weiterverbreitet.

Das „Gespenst“ ist für den französischen Philosophen Jacques Derrida, das einsickerrn eines toten Zeichens in einen lebendigen Diskurs. In „Marx Gespenster“ ist es die Idee der Gerechtigkeit. Es gibt Menschen, die Marx vergessen lassen wollen, aber seine Gespenster werden sie nicht los. Sie „transformieren“ sich, niemand kann sagen, wann und wo sie auftauchen, doch sie kommen immer wieder. Auch die Symbolwelten von Oz trotzen der repressiven Wirklichkeit und vervielfältigen sich. Sie beschwören Unsicherheit in den Augen von Ordnungsfanatiker_innen und eine Kulisse des Begehrens für andere.

Sie erzählen nichts über die Urheberschaft oder eine Handlung von Oz, sondern davon, dass die Stadt kein toter Ort von Sachzwängen ist. Der Schriftzug Oz, die Smileys und Kringel sind künstlerischer Protest für Urbanität als Begriff von Freiheit gegenüber dem vermeintlich Notwendigen. Es gibt über 100 000 Oz Graffitis, sie sind in anderen Städten in Europa aufgetaucht und entstanden auch während seiner Haftzeit. Es ist nicht die Person, die jetzt verurteilt werden soll, sondern der Versuch, Gespenster zu vertreiben, die Aufbegehren gegen die scheinbare Alternativlosigkeit einer bestehenden Ordnung und Weltsicht. Eine Weltsicht, welche die Ökonomie zu einem Fetisch, Sinn und Zweck erklärt, dem sich das Politische, die Kunst und das Leben in der Stadt unterzuordnen haben. Darin besteht die Subversivität der Smileys, das entgrenzte Strafbedürfnis, die Hysterie gegen die sich gespensterhaft verbreitenden Zeichen und den Menschen Oz.

Wir fordern Freiheit für Oz und die Einstellung seines Verfahrens, weil jeder andere Zustand staatliche Gewalt als Modell und Kitt des gesellschaftlichen Zusammenlebens befördert und den Verlust von individueller Freiheit zugunsten der Zwänge einer ökonomischen Schicksalsgemeinschaft bedeutet. Wer Oz aus dem Bild der Stadt vertreiben will, will nicht ihm alleine die Sprache rauben, sondern allen, die versuchen, sich neu zu erfinden und sich jenseits bestehender Normen ausdrücken wollen.

Für eine Stadt der Zeichen, Bilder und
surrealen Botschaften!
Freiheit für Oz und Einstellung des Verfahrens!

AG Repression und Solidarität
Kontakt: freeoz@gmx.de